Der Google Consent Mode ist lรคngst kein โNice-to-haveโ mehr. Spรคtestens seit der Verschรคrfung der Datenschutzanforderungen (DSGVO, ePrivacy) und der Nutzung datengetriebener Werbealgorithmen stehen Unternehmen vor einem Zielkonflikt: Compliance vs. Performance.
In diesem Beitrag verdeutlichen wir,
- wie sich Basic und Advanced Consent Mode technisch und strategisch unterscheiden,
- welche Auswirkungen eine Nutzer-Ablehnung tatsรคchlich hat
- und welche Implementierung sich fรผr welche Kundengrรถsse eignet.
Der Artikel dient sowohl der Dokumentation wie auch als Entscheidungsgrundlage โ und zeigt gleichzeitig auf, wie wir bei Wyssmann LLC entsprechende Set-ups in der Praxis bewerten und umsetzen.
รberblick: Basic vs. Advanced Consent Mode
Der Google Consent Mode steuert das Verhalten von Google-Tags (GA4, Google Ads) abhรคngig davon, ob ein Nutzer der Erhebung von Daten zustimmt oder nicht. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob getrackt wird, sondern wie.
| Merkmal | Basic Consent Mode | Advanced Consent Mode |
|---|---|---|
| Mechanismus | Tags werden blockiert, bis Consent vorliegt | Tags laden immer, passen aber ihr Verhalten an |
| Daten bei Ablehnung | Vollstรคndiger Datenverlust | Anonyme โCookieless Pingsโ |
| KI-Modellierung | Nicht mรถglich | Conversion- und Verhaltensmodellierung |
| Einsatzbereich | Kleine Projekte, maximale Strenge | Performance-orientierte Setups |
Kurz gesagt:
Basic Mode ist rechtlich maximal konservativ โ aber analytisch blind.
Advanced Mode ist datenschutzkonform โ aber deutlich nรคher an der Realitรคt.
Was passiert bei โRejectโ, respektive einer Ablehnung wirklich?
Basic Consent Mode
Lehnt ein Nutzer den Consent ab, wird praktisch gar nichts getrackt:
- keine Seitenaufrufe
- keine Events
- keine Conversions
- keine Traffic-Quellen
Fรผr Analytics und Google Ads entsteht eine Datenlรผcke. Jeder dieser Nutzer erscheint in den Statistiken schlicht nicht.
Advanced Consent Mode
Auch im Fall einer Ablehnung werden anonyme Signale an Google gesendet:
- ohne Cookies
- ohne Nutzeridentifikation
- ohne Wiedererkennung รผber Seiten hinweg
Diese sogenannten Cookieless Pings ermรถglichen Google, verlorene Conversions mittels KI zu modellieren. In der Praxis lassen sich so bis zu ~65 % der verlorenen Conversions rekonstruieren โ ein massiver Unterschied fรผr die Ermittlung des ROAS, das Smart Bidding und die Budgetsteuerung.
Tool-spezifische Implementierung
Bevor wir in die technischen Unterschiede zwischen Basic und Advanced Consent Mode gehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die beiden Consent-Lรถsungen, die wir bei Wyssmann LLC am hรคufigsten verwenden. Dabei handelt es sich um die Consent Management Plattform (CMP) namens CookieYes sowie das quelloffene Cookie-Consent-Widget von 68publishers.
CookieYes als vollwertige Consent Management Platform (CMP)
CookieYes ist eine umfassende CMP, die Unternehmen unterstรผtzt, Cookie-Einwilligungen rechtskonform einzuholen, zu verwalten und nachzuweisen. Damit deckt CookieYes nicht nur einfache Consent-Banner, sondern den gesamten Workflow von Consent-Erfassung รผber Speicherung bis zu Audit-Logs ab. Dies umfasst unter anderem:
- automatische Cookie-Erkennung und Kategorisierung
- vollstรคndig anpassbare Cookie-Banner mit granularen Einstellungsmรถglichkeiten
- zentralisierte Consent-Protokolle als Nachweis fรผr Compliance
- Integrationen mit Google Tag Manager und Google Consent Mode V2
- Unterstรผtzung fรผr DSGVO, CCPA/CPRA und weitere Datenschutzgesetze weltweit
CookieYes ist daher ideal fรผr grรถssere Websites und performance-orientierte Set-ups geeignet, bei denen Consent nicht nur technisch benรถtigt wird, sondern auch rechtlich sauber dokumentiert und an externe Systeme (wie Google Tags) รผbermittelt werden soll.
Leichtgewichtiges Consent-Widget von 68publishers
Das cookie-consent-Widget von 68publishers ist eine Open-Source-Lรถsung, die eine einfache Consent-Interaktion im Browser umsetzt. Es handelt sich dabei um ein Frontend-Widget, das Consent-UI und Consent-Speicherung handhabt und รผber Konfigurationsoptionen steuert, welche Cookies und Skripte abhรคngig von der Auswahl des Users geladen werden. Technisch lรคsst sich das Widget beispielsweise so konfigurieren, dass:
- ein Consent-Modal angezeigt wird,
- Cookies auf Basis der Nutzerwahl aktiviert oder gelรถscht werden,
- Events/Trigger (z. B. fรผr Google Analytics oder Google Ads) รผber Consent-Trigger ausgelรถst werden.
Diese Lรถsung ist leichtgewichtig und flexibel, aber nicht so umfassend wie eine vollwertige CMP wie CookieYes. Damit ist sie besonders fรผr kleinere Projekte oder Websites geeignet, bei denen zwar eine Consent-Erfassung erforderlich ist, aber kein administrativer und rechtlicher Aufwand erwรผnscht ist.
Unsere strategische Empfehlung
Unsere Faustregel bei Wyssmann LLC:
- Grรถssere Kunden und performance-orientierte Set-ups
โ Advanced Consent Mode
โ ausreichend Daten fรผr Smart Bidding und realistische ROAS-Berechnung - Kleine Websites ohne Fokus auf die Nutzergewinnung mittels Performance Marketing
โ Basic Consent Mode
โ einfache, kosteneffiziente und konservative Lรถsung
Consent ist damit nicht nur eine juristische Frage โ sondern eine strategische Entscheidung.
Technischer Check: Funktioniert es wirklich?
Die Live-View in Google Analytics (GA4) funktioniert ohne Consent nicht, da keine Cookies gesetzt werden. Grund: Ohne Cookies wรผrde jeder Seitenaufruf wie ein neuer Nutzer wirken und die Live-Daten folglich massiv verfรคlschen. Google verarbeitet diese Daten daher im Hintergrund fรผr die Behavioral Modeling Engine.
Modellierte Daten erscheinen erst nach rund 24โ48 Stunden in den regulรคren Reports โ und auch nur, wenn genรผgend Traffic vorhanden ist (โ 1’000 Events pro Tag รผber mehrere Tage). Da Live-Views hier nicht helfen, prรผfen wir die Funktionalitรคt direkt im Browser:
- Seite im Inkognito-Fenster รถffnen (nicht zustimmen)
- Rechtsklick โ Untersuchen
- Tab Network
- Nach
collect?filtern - Seite neu laden
Wenn GA4-Requests (v=2โฆ) erscheinen, „feuern“ die Tags korrekt.
Im Payload prรผfen:
G100โ Tags feuern ohne ConsentG111โ volle Zustimmung
Fazit:
Keine Live-Daten in Google Analytics zu sehen bedeutet nicht, dass kein Tracking erfolgt.
Spezialfall: E-Commerce und Umsatz
Basic Mode (zum Verstรคndnis)
- Nutzer lehnt ab โ Tags feuern nicht
- Google erfรคhrt nichts vom Kauf
- Conversion Value: 0 CHF
- Modellierung extrem ungenau
Advanced Mode (so lรคuft es wirklich)
Ein hรคufiges Missverstรคndnis:
Der Umsatz wird nicht modelliert โ er wird real รผbermittelt.
Was passiert technisch bei einem Kauf ohne Consent?
- Der Tag feuert
- Der echte Conversion-Wert und die Wรคhrung werden รผbermittelt
- Es fehlen lediglich die Identitรคts-Cookies
Google weiss also:
โEin Kauf รผber 120 CHF ist erfolgt โ ich weiss nur nicht exakt, welchem Klick er zugeordnet wird.โ
Modelliert wird damit nicht der Wert, sondern die Attribution.
Google Ads vs. GA4
Google Ads
- Modellierung greift schnell
- Conversions und Umsatz fliessen ins Bidding ein
- ROAS wird deutlich realistischer
GA4
- Modellierte Umsรคtze erscheinen oft erst bei genรผgend Traffic
- Berichte kรถnnen verzรถgert oder unvollstรคndig wirken
In Google Ads optimierbar, in GA4 teilweise zeitverzรถgert sichtbar
Fazit
Der Google Consent Mode ist kein reines Compliance-Thema. Er entscheidet direkt รผber:
- Datenqualitรคt
- Algorithmus-Performance
- ROAS
- Marketing-Entscheidungen
Unsere Haltung ist somit klar: Wer Performance Marketing betreiben will, braucht den Advanced Consent Mode โ korrekt implementiert und sauber dokumentiert. Wer auf maximal zurรผckhaltendes Tracking setzt, lebt bewusst mit Datenlรผcken.

