Fabian Wyssmann, waren es die speziellen Ausgangsbedingungen oder die Ausrichtung deiner Agentur, die den Start vor drei Jahren erfolgreich machten?
Fabian: Es war wohl eine gute Kombination von beidem. Außerdem spielte das vorhandene Netzwerk eine wichtige Rolle, dessen Partnern ich ausgesprochen dankbar bin. Letztlich war meine Kalkulation auch auf eine Ausbalancierung der Risiken ausgerichtet. Der Schwerpunkt Cleantech-Unternehmen war gesetzt. Das Thema liegt mir besonders am Herzen und in den Unternehmen, für die ich tätig war, ist und bleibt Nachhaltigkeit ein wesentlicher Motivationstreiber.
Der zusätzliche regionale Schwerpunkt und die Ausrichtung auf KMU waren vielleicht in wirtschaftlicher Hinsicht nicht gleich maßgeblich, aber auch diese Aspekte liegen mir bis heute am Herzen. Einschränkungen haben sie nicht mit sich gebracht: Ich arbeite heute auch überregional und die Unternehmensgröße meiner Kunden und deren Wachstumsraten sind teilweise recht beachtlich.
Dass ich gerade in der Anfangszeit wichtige Kunden gewinnen konnte, hat den Start erleichtert.
Wie ist die Agentur in den letzten Jahren gewachsen?
Erfreulicherweise gelang das, ohne dass ich viel Akquise machen musste oder gleich an die Grenze meiner Kapazitäten gestoßen wäre. Mehr als 80 Prozent aller neuen Aufträge erhielt ich über Empfehlungen oder weil sich mein Name innerhalb der Zielgruppe verbreitete. Gleichzeitig bin ich mit meinen Kunden gewachsen.
Außerdem hatte ich wichtige Partner an meiner Seite, die mich unterstützen. Um einen Rundumservice bieten zu können, arbeite ich partnerschaftlich mit viz studios im Bereich Design und Branding zusammen. Hinzu kommen ein Web-Entwickler sowie ein Grafiker. Bei der Produktion von Drucksachen und Werbemitteln pflege ich eine enge Zusammenarbeit mit der lokal ansässigen Druckerei Schelbli AG. Je nach Bedarf kann ich auf weitere, erprobte Freischaffende – darunter beispielsweise Industriedesigner – zurückgreifen. Insgesamt konnte ich eine eingespielte und verlässliche Wertschöpfungskette etablieren.
Sie bezeichnen sich nicht als Online-Agentur, sind aber stark im digitalen Bereich vertreten.
Ich setze ebenso auf konventionelles Marketing und traditionelles Handwerk in meiner Arbeit. Beides stirbt meines Erachtens nie aus. Allerdings bin ich sehr viel für Unternehmen und Start-ups in schnelllebigen Märkten aktiv, das prägt auch die Vorgehensweise. Diese Ausrichtung spiegelt sich auch in meinem Angebot wider. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht oder kaum mache: Ich biete zum Beispiel keine Online-Shop Entwicklung an und mache nur punktuell Werbung, die in Briefkästen landet.
Grundsätzlich gibt es auch vieles, was sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt wichtig ist. Für Start-ups nutze ich beispielsweise gerne Storytelling Elemente in verschiedenen Formaten. Gerade in diesem Bereich erlebe ich so viele spannende Geschichten, dass ich auf dieses Narrativ der klassischen ‚Heldenreise‘ nicht verzichten möchte. Natürlich bin ich diesbezüglich nicht unvoreingenommen. Für mich sind die nachhaltigkeitsorientierten Unternehmer die wahren Helden der Volkswirtschaft.
Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Die starke Ausrichtung auf Cleantech sowie B2B-Marketing ist sicher eine Besonderheit, die meine Kunden zu schätzen wissen. Das setzt auch die Bereitschaft voraus, sich ständig in neue, technologielastige Bereiche einzuarbeiten sowie das notwendige Netzwerk.
Auch die Erfahrung, wie man verschiedene Aspekte dieses Themas aufgreift und transportiert, spielt im Marketing eine wichtige Rolle. Nachhaltigkeit zeigt sich in vielen Facetten und die jeweilige Leistung meiner Kunden zu vermarkten, ist eine Herausforderung, die ich immer wieder mit viel Freude angehe, weil sie so abwechslungsreich und spannend ist.
Zu verdanken habe ich dieses Maß an Erfahrung auch meinen Kunden, die in vielen Themenfeldern unterwegs sind und einzigartige Lösungen entwickeln. Das reicht von der sehr verbreiteten und bekannten Photovoltaik bis hin zu High-Tech Nischen-Lösungen für Elektro-Fahrzeuge.
Im Laufe der Zeit kommt da Wissen zusammen, dass ständig up to date gehalten werden muss. Die Nachhaltigkeitsaspekte wandeln sich zwar auch. Die größeren Herausforderungen bilden für mich persönlich vor allem die technischen Entwicklungen, die eine ständige Auseinandersetzung mit dem Thema voraussetzen. Gleichzeitig sind auch die Disziplinen im Marketing im Wandel. Im Feld von ‚MarTech‘ geht es ebenso schnelllebig zu und her.
Sind es solche technischen Aspekte, die eine Zusammenarbeit mit Ihren Kunden besonders reizvoll machen?
Technik und Nachhaltigkeit spielen eine wichtige Rolle, das ist richtig. Als Marketer schätze ich auch die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern, für die Marketing nicht nur Werbung ist, sondern die Triebfeder fürs eigene Geschäft. Eine Vision und Technikbegeisterung gehören da sicher auch dazu. Man erkennt sehr schnell, wie ernst es jemand meint, mit dem was er macht.
Gibt es Meilensteine in der Arbeit, denen Sie besondere Bedeutung beimessen?
Es gibt mehrere markante Einschnitte und Erlebnisse, oftmals erkennt man deren Bedeutung aber erst später. Dazu gehören beispielsweise Branding-Projekte oder auch die Neuausrichtung von Kundenportfolios. Bei den technologischen Entwicklungen meiner Kunden gibt es ebenfalls Highlights, bei denen ich stolz darauf bin, durch Konzepte und das richtige Marketing zum Erfolg beigetragen zu haben.
Manchmal bleiben solche wichtigen Entwicklungspunkte der eigenen Arbeit aber auch von außen nicht direkt sichtbar. So kann ich rückblickend feststellen, dass ich für meine Arbeit effektive Tool Chains entwickelt habe, die meine Arbeit ökonomischer und erfolgreicher machen. Das ist wichtig für meinen Arbeitsalltag, aber noch wichtiger für den Kunden, der so effizienter zu Ergebnissen gelangt.
Was dürfen wir in den nächsten drei Jahren – oder fünf oder zehn Jahren – von Ihnen erwarten?
Meine eigenen Erwartungen sind hier etwas zwiespältig. Sicherlich wird nachhaltiges Unternehmertum der langfristige Schwerpunkt für mich sein. Zum einen, weil das Thema von zentraler Bedeutung ist, aber auch, weil ich mir hier Expertise aufgebaut habe. Das gilt übrigens auch fürs Privatleben: Ich versuche in allen Dimensionen – sprich, ökologisch, ökonomisch und sozial – nachhaltig zu sein und optimiere hier auch ständig. Dabei unterliege ich nicht dem Anspruch, dass immer alles perfekt ist – aber ich gebe mir Mühe.
Ich lege mein Geld beispielsweise nachhaltig an, ich habe die Steuerung von Stromverbrauchern verbessert und beziehe ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen. Vor kurzem hat meine Vermieterin auch eine Wärmepumpe installiert. Ich habe mich als Proband für eine Bachelorarbeit zur Verfügung gestellt und habe hinsichtlich Nachhaltigkeit gut abgeschnitten. Ich lebe das Thema also auch selbst und verzichte beispielsweise ganz aufs Autofahren oder beschaffe viel auf dem Gebrauchtwarenmarkt.
Auf der anderen Seite bin ich jemand, der nach einer gewissen Zeit nach Veränderung strebt. Das gelingt mir alleine schon durch die verschiedenen Themenbereiche ganz gut. Aber auch als Inhaber einer Agentur bin ich nicht nur Einzelkämpfer, wie man an der Zahl der Freischaffenden in meinem Netzwerk sieht. Ich bin durchaus teamfähig und habe keine Probleme, mich und meine Arbeit unterzuordnen.
In wirtschaftlicher Hinsicht bin ich nicht unzufrieden. Verbesserungspotenzial sehe ich aber durchaus beim Thema Nachhaltigkeit in sozialer Hinsicht. Schließlich muss man sich auch ein Maß an Auszeit zu gönnen, das für langfristige und nachhaltige Arbeit notwendig ist.
Wenn man beispielsweise eine Familie gründet, spielen Arbeitsbelastung und Zeiteinteilung eine wichtige Rolle, ebenso wie Emanzipation und viele andere Aspekte. Ich bin sehr neugierig auf die weitere Entwicklung und beschäftige mich bereits mit der Planung für weitere spannende Projekte in den nächsten Jahren.